You can read more about the books I like here. Or the books I hate. Or just books I saw vaguely from the distance, watching as they sailed away down the river, waving at me from the boat at night.
07.04.2026 Abgeschlossen: "Bemühungspflicht" - Sandra Weihs
Mit um die 300 Seiten hat es dieses Buch dann doch sehr in sich. Wir lernen mehr über Manfreds Vergangenheit, seine gescheiterte Ehe, seine Kindheit. Und wir sehen Manfreds erwachsenen Sohn, der vielleicht die Fehler der vergangenen Generationen nicht wiederholen wird. Spannend fand ich auch, dass es außerhalb von Manfred noch einen Einblick in ein weiteres Leben in der Arbeitslosigkeit gibt. Dieses Buch macht wütend - wütend auf ein System, das nur so lange funktioniert, wie man selbst funktioniert und dem System dienen kann. Wütend über moderne Sklaverei, über unzumutbare Bedingungen.
Vor allem aber ist Manfred kein ständig sympathischer Charakter. Aber Menschenrechte und -würde gelten nicht nur für stets fleißige, liebenswerte Menschen, sondern für uns alle. Gerade wenn man sich regelmäßig von einem der mächtigsten Politiker im Land anhören lassen darf, wie faul man doch sei, lohnt es sich, dieses Buch zu lesen. Ich glaube nicht, dass irgendjemand dieses Buch lesen kann, und am Ende ohne Empathie mit den Hauptfiguren aus diesem Buch geht. (und ist das nicht generell eine der besten Sachen an Fiktion?) Allerdings bezweifle ich auch, dass ein Buch wie dieses an Menschen gerät, denen es Empathie schenken könnte. Ich wünschte auch, ich fände "Merz leck Eier" noch lustig, aber es hat sich so schnell abgenutzt. Vielleicht brauche ich als nächstes ein albernes, luftig-leichtes Buch, um im Kopf ein wenig durchzufeudeln.
06.04.2026 Aktuell mittendrin: "Bemühungspflicht" - Sandra Weihs
as long as this website is looking as ugly as it currently is; I wont decide on a language yet. Solange diese Seite so unschön ausschaut, leg ich mich nicht auf eine Sprache fest.
Was bedeutet das "Sozial" in "Sozialsystem"?
Manfred Gruber bezieht Sozialhilfe. Er ist arbeitslos und geht seiner Bemühungspflicht nach - Bewerbungen für Jobs, an denen er nicht interessiert ist, schreiben; nutzlose Weiterbildungen besuchen; unbezahltes Probearbeiten für Zeitarbeitsfirmen. Und doch fehlt in diesem Monat das Geld vom Amt. Was folgt, ist Manfreds Anstrengung, an das Geld zu kommen, in einem System, das ihm von Grund auf misstraut. Der Begriff "kafkaesk" ist mir eigentlich immer etwas zu hochgestochen, passen könnte er hier vermutlich. Aber viel bodenständiger könnte man auch an den Passierschein A38 denken, nur ohne den Humor und den gallischen Zaubertrank, dafür mit mehr Existenzangst.
Bemühungspflicht nimmt die Intelligenz seiner Leserin ernst, es zeigt Zustände, ohne sie direkt zu bewerten. Und vor allem ist Manfred kein Mensch, mit dem man einfach Mitgefühl haben kann. Beim Lesen mag sich dann auch der internalisierte Leistungsdruck in jeder Leserin selbst einschleichen (bei mir hat er definitiv angeklopft): Manfred ist nicht unbedingt sympathisch. Und: Manfred will nicht arbeiten. Er sieht es nicht ein, sich zu einem Hungerlohn den Rücken kaputt zu machen, sieht es nicht ein, Pakete auszutragen, um am Ende des Monats kaum mehr Geld zu haben, als das Sozialamt überweist. Und ich fand es spannend, dann in mir kurz Gedanken zu beobachten wie "Boah, bissi selbst Schuld ist er ja, hm?". Schließlich sollten wir als so reiches Land in der Lage sein, uns gegenseitig zu schützen, zu helfen.
Sprachlich bisher spannend, mit schneller, stakkatoartiger Sprache. Und auf jeden Fall ein Buch, das nicht einfach ist. In den Themen, die es anschneidet, und den Gefühlen, die es bei einer empathischen Leserin hervorrufen kann.